Schneeflocken-Obsidian und Dalmatiner-Jaspis

Ein Obsidian mit Cristobalit als offene und geschlossene Kugel.

Ein Obsidian mit Cristobalit als offene und geschlossene Kugel.
Rob Lavinsky, iRocks.com – CC-BY-SA-3.0 [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Um diese gemusterten Schönheiten natürlich zu entdecken, müssen wir eine Reise in die Tiefen unseres Planeten wagen. Denn sowohl der Obsidian bzw. der Schneeflocken-Obsidian als auch der Dalmatiner-Jaspis sind Naturprodukte aus erkalteter, erstarrter Magma bzw. Lava. Es ist deutlich zwischen Magma, Erdschmelze im Erdinnern und Lava die Erdschmelze überirdisch zu unterscheiden.

Der Obsidian gehört zu den vulkanischen Gesteinsgläsern. Er besteht aus Lava, die überirdisch schnell abgekühlt ist. Durch diese schnelle Abkühlung ist der Obsidian kein Mineral-Gestein, sondern natürliches Glas, weil sich die Atome in amorphen bzw. ungeordnetem Zustand befinden. Demzufolge kann und konnte keine Kristallisation stattfinden. Die Bezeichnung Gesteinsglas ist der Sammelbegriff für amorphe Feststoffe. Der Obsidian ist also ein Gesteinsglas mit der Mohshärte 5 – 5,5. Die vulkanischen Gläser bestehen aus Schmelzen verschiedener Zusammensetzung. Der Obsidian wurde schon in der Steinzeit verwendet zur Herstellung von Waffen, Klingen, Messer und anderen Werkzeugen, aber auch für Gebrauchs-, Kunstgegenstände und Schmuck, wegen seiner Brucheigenschaften und der sehr scharfen Bruchkanten. Der Obsidian wird aus einer rasch an der Oberfläche erkalteten, zähflüssigen Masse gebildet mit einem hohen Gehalt an Kieselsäure, Wasser und Kohlendioxid. Je höher der Kieselsäuregehalt der Lava ist, umso zähflüssiger ist die Lava. Kühlt die Lava-Masse zu schnell ab, entsteht Bimsstein. Kühlt die Lava-Masse langsam ab, so entsteht Pechstein. Die Bezeichnung für das vulkanische Glas als Obsidian kommt von dem Römer Obsius, der den ersten Obsidian von Äthiopien nach Rom gebracht haben sollte. Die Farbe des Obsidian hängt auch von den eingelagerten Mineralen ab, daher ist die natürliche Farbpalette sehr groß. Als Beispiele der Farben des Obsidian: dunkelgrün, schwarz, braun und rot.

Eine besonders schöne und interessante Varietät des Obsidian ist der Schneeflocken-Obsidian.  Die Grundfarbe ist schwarz mit weißen oder hellgrauen Tupfen wie fallende Schneeflocken. Die Muster entstehen aufgrund von Strukturen der Sphärolithen. Dies sind Minerale, die kugelförmig kristallisieren und die Abkühlung diesen Kristall-Wachstumsprozess stoppt. Diese Minerale sind meist Feldspate oder Cristobalite. Cristobalit ist ein sehr seltenes Mineral und eine natürlich auftretende Hochtemperatur-Modifikation des Siliciumdioxids. Der Cristobalit verfügt über eine Mohshärte von 6,5. Auch kann man ihn als eine Hochtemperatur-Modifikation des Quarz bezeichnen. Die Fundorte des Obsidian sind u.a.: Vorderasien, Island, vulkanische Inseln im Mittelmeer, Ungarn und Deutschland.

Wenden wir uns nun dem Dalmatiner-Jaspis oder Dalmatiner-Stein zu, der wie sein Name aussagt mit heller Grundfarbe, weißlich bis gelblich und schwarzen Tupfen natürlich auftritt. Der Dalmatiner-Jaspis oder Dalmatiner-Stein ist kein Jaspis. Diese Bezeichnungen sind nur Handelsnamen für Porphyrit/Porphyr oder Aplit.  Der Porphyrit besteht aus Siliciumdioxid und Eisenzweitrioxid. Er ist eine Mischung aus wenig Quarz und Feldspat mit einer Mohshärte von 6 – 7. Porphyrit ist eine ältere Bezeichnung für ein quarzarmes magmatisches Gestein mit porphyrischer Struktur. Man spricht auch von porphyrischem Gefüge mit gut ausgebildeten Einzelkristallen in einer feinkörnigen Masse. Das porphyrische Gefüge entsteht im Innern der Erde, wenn das Magma langsam erkaltet, wobei sich schon einige große Kristalle bilden. Man unterscheidet quarzarme und quarzreiche Porphyre.

Ein anderes Mineral mit nahezu gleichem Aussehen, das ebenfalls als Dalmatiner-Jaspis oder Dalmatiner-Stein bezeichnet wird ist der Aplit, ein Quarzfeldspat bzw.  Kalifeldspat mit Quarz und einer Mohshärte von 6 – 7. Der Aplit kann auch Nebengemengeteile von Granat, Turmalin und Hämatit enthalten. Aplite sind sogenannte  Ganggesteine und werden im Erdinnern magmatisch mit Plutoniten gebildet. Die Kristallisation in den Tiefen bei hohen Temperaturen läuft langsamer ab. Die Plutoniten erreichen durch z.B.  Erosion  die Erdoberfläche und werden zu Plutonen. Aufgrund tektonischer Bewegungen bilden sich Dehnungsspalten, die von dem Mineralgefüge Aplit ausgefüllt werden, erkalten und erstarren. Auch eine metasomatische Entstehung des Aplit ist möglich. Hierzu erfolgt eine chemische Reaktion, wobei das Wirtsgestein an hellen Bestandteilen z.B. Feldspat verarmt und durch anreichern des Nachbargesteins in festem Zustand und mit Siliciumdioxid das Mineralgefüge Aplit entstehen lassen.

Die Entstehung dieser wunderschönen Steine und vulkanischen Gläser kann Millionen Jahre dauern bis ein kreativer Designer diesen attraktiven Schmuck herstellt. Der Schneeflocken-Obsidian und der Dalmatiner-Jaspis sind von der Natur hergestellte und von Menschenhand designte Kunstwerke, die unsere Bewunderung verdienen.

 

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